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45 Mercy Street – die Wiederentdeckung der depressiven Dichterin Anne Sexton

Wenn Musikern nichts mehr einfällt, veröffentlichen sie ihre „Greatest Hits“ oder „New Editions“ ihrer größten Erfolge (remastered!). Oder sie „covern“ einfach die Songs anderer Musiker. Oder sie nehmen ihre alten Hits noch einmal neu mit einem Orchester auf. So machte es auch Peter Gabriel mit seinem jüngsten Album „New Blood“. – „Alter Wein in neuen Schläuchen“ nennt der Volksmund so etwas. Und doch bin ich Peter Gabriel unendlich dankbar für seine Frischzellenkur. Denn nur durch „New Blood“ bin ich auf Anne Sexton gestoßen, die ich ohne dieses Album wohl kaum kennengelernt hätte.

Dabei hätte ich der Frau schon auf „So“ begegnen können. Mein ewiger Lieblingssong von Peter Gabriel stammt von diesem großartigen Album aus dem Jahr 1984: „Mercy Street“. Aber erst jetzt, bei der Wiederveröffentlichung von „Mercy Street“ auf „New Blood“, machte ich mir die Mühe, die Lyrics im Internet aufzurufen. Ein wunderbarer Text:

„Looking down on empty streets, all she can see 

Are the dreams all made solid 

Are the dreams made real
All of the buildings, all of those cars 

Were once just a dream 

In somebody´s head“

„She“, das war keine fiktive Person, von der sich Peter Gabriel inspirieren ließ, sondern eine amerikanische Dichterin, der er seinen Song widmete. „For Anne Sexton“, ein kurzer Hinweis am Anfang des Textes. Ich folge ihm. Und finde eine faszinierende Frau.

Anne Gray Harvey wird am 9. November 1928 in Newton, Massachusetts, einem Vorort von Boston geboren. Sie besucht eine Mädchen-Internat in Boston. Hier schreibt sie ihre ersten Gedichte. Nach dem College arbeitet sie als Model, brennt mit „Kayo“ durch, dem Sohn einer wohlhabenden Bostoner Familie (bürgerlich Alfred Muller Sexton II.), heiratet ihn und bekommt zwei Töchter. 1956, ein Jahr nach der Geburt ihrer zweiten Tochter, ist sie das erste Mal in der Psychiatrie; einen Tag vor ihrem 29. Geburtstag unternimmt sie ihren ersten Selbstmordversuch.

„Nowhere in the corridors of pale green and grey
Nowhere in the suburbs in the cold light of day
There in the midst of it so alive and alone
Words support like bone“

Ihr Therapeut Dr. Martin Orne ermutigt die depressive Dichterin zum Schreiben und 1960 erscheint Anne Sextons erstes Buch „To Bedlam and Part Way Back“. Sie besucht das Bostoner Lyrikseminar von Robert Lowell und lernt Sylvia Plath kennen. Beide gehören zu einer literarischen Richtung, die sich „Confessional Poets“ nennt und sehr (für manche all zu sehr) persönliche Themen literarisch verarbeitet. Einigen Kritikern ist diese Bekenntnisliteratur viel zu privat, zu persönlich, zu intim. Anne Sexton versteht ihre Gedichte in Anlehnung an Franz Kafka hingegen als „eine Axt für das gefrorene Meer in uns“.

„Dreaming of mercy street, wear your inside out
Dreaming of mercy in your daddy´s arms again 

Dreaming of mercy street swear they moved that sign
Dreaming of mercy in your daddy´s arms“

Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch ihren geliebten Vater gilt als Ursache für Anne Sextons seelisches Leiden, das sie über das Schreiben kompensiert.

„Confessing all the secret things in the warm velvet box
To the priest – he´s the doctor, he can handle the shocks“

In der deutschsprachigen Literatur verkörpert Ingeborg Bachmann in den 60er Jahren diesen Typus der frühen Feministin, die noch ohne die Spießigkeit der späteren Emanzipationsbewegung auskommt. In Europa weitgehend unbeachtet wird Anne Sexton in den U.S.A. ein Star. 1967 erhält sie den begehrten Pulitzer-Preis für ihren Gedichtband „Live or die“. Die Todessehnsucht bleibt ihr immer wiederkehrendes poetisches Motiv.

Während alle bisherigen Zitate aus dem Song „Mercy Street“ von Peter Gabriel stammen, ist der nun folgende Text ein Auszug aus dem Gedicht von Anne Sexton, das Peter Gabriel als Vorlage für seinen Song diente: „45 Mercy Street“.

„I walk in a yellow dress
and a white pocketbook stuffed with cigarettes,
enough pills, my wallet, my keys,
and being twenty-eight, or is it forty-five?
I walk. I walk.
I hold matches at street signs
for it is dark,
as dark as the leathery dead
and I have lost my green Ford,
my house in the suburbs,
two little kids
sucked up like pollen by the bee in me
and a husband
who has wiped off his eyes
in order not to see my inside out
and I am walking and looking
and this is no dream
just my oily life
where the people are alibis
and the street is unfindable for an
entire lifetime.“

Der Titel eines ihrer letzten Bücher lautet „The awful rowing toward god“. Mitte 40 wendet sich Anne Sexton auf eine merkwürdige Weise Gott zu. Vater -> Gott -> Gott Vater. Peter Gabriel verarbeitet in seinem Song auch diese letzte Phase im Leben von Anne Sexton :

„Let´s take the boat out, wait until darkness
Let´s take the boat out, wait until darkness comes“

Schließlich der Epilog:

„Anne, with her father is out in the boat
Riding the water, riding the waves on the sea“

Am 4. Oktober 1974 fährt Anne Sexton ihren Wagen in die Garage, schließt das Tor und lässt den Motor laufen. Sie trägt den Pelzmantel ihrer Mutter. Es ist ihr fünfter Selbstmordversuch. Er gelingt.


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Unsere Werbeagentur existiert seit mehr als 20 Jahren. Am Anfang waren wir die Agentur, die „sich mit großen Ideen für kleine Kunden bei größeren Kunden ein klein wenig ins Gerede bringt“, wie es Professor Dieter Urban in einem Artikel der Fachzeitschrift „Novum“ einmal so charmant formulierte. Auf die kleinen Kunden der Gründerzeit folgten große Marken wie Lloyd, Kettler oder Poggenpohl, mittelständische Marktführer wie die Winkhaus-Gruppe, Schmitz Cargobull oder die Meurer-Gruppe, lokale Größen wie die Piepenbrock Unternehmensgruppe, Bedford oder die Röwer XXL-Group, bedeutende Institutionen wie die niedersächsische Staatskanzlei, das Bundesumweltministerium oder die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Und immer wieder auch vermeintlich kleine Kunden mit großen Aufgaben in und um Osnabrück und Münster.

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Was wir uns bewahren, ist die Fähigkeit, groß zu denken – auch für kleine Kunden mit großen Aufgaben oder große Kunden mit kleinen Budgets. Am liebsten für Marken und Mittelständler, für Verbände und Institutionen.

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