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„Ich ist ein anderer.“ – Ferdinand von Schirach hat Angst, ein Tabu zu brechen: sein eigenes.

| Reinhard Stiehl

An einem heißen Augusttag des Jahres 1936 präsentierte der französische Psychologe Jacques-Marie Émile Lacan auf dem 14. Internationalen Kongress für Psychoanalyse in Marienbad erstmals seine Arbeit über das Spiegelstadium und darin den Satz: „Le je n’est pas le moi.“ Der Kongress-Präsident entzog ihm das Wort.

„Le je n’est pas le moi“ ist ein Satz, der sich nicht ins Deutsche übersetzen lässt, da wir im Deutschen nicht zwischen „Je“ und „Moi“ unterscheiden. „Das Ich ist nicht das Ich“ ist nicht dasselbe wie „Le je n’est pas le moi.“

Der Dichter Athur Rimbaud fand dafür die richtigen Worte: „Ich ist ein anderer.“

Im Epilog von „TABU“, dem neuen Roman von Ferdinand Schirach, lässt der Autor seinen Helden laut denken:

Wir glauben, was wir tun, sei wichtig und wir würden etwas bedeuten. Wir glauben, wir wären sicher, die Liebe wäre sicher und die Gesellschaft und die Orte, an denen wir wohnen. Wir glauben daran, weil es anders nicht geht. Aber manchmal bleiben wir stehen, die Zeit bekommt einen Riss und in diesem Moment begreifen wir es: Wir können nur unser Spiegelbild sehen.

Ferdinand von SchirachFerdinand von Schirach (Foto: Andreas Pein)

In „TABU“ sehen wir nur das Spiegelbild von Ferdinand von Schirach: es heißt Sebastian von Eschburg. Ein Sprössling aus verarmtem, adligem Hause. Wie Schirach besucht Eschburg ab dem 10. Lebensjahr ein Elite-Internat – Schirach bekanntermaßen das Jesuitenkolleg St. Blasien; Eschburg vermutlich das Benediktinerstift Admont. Der Name des Internats wird im Buch nicht verraten, aber es gibt Indizien, die darauf hinweisen. (Zudem sind beide Klöster dem Hl. St. Blasius gewidmet.)

Wie der reale Ferdinand von Schirach flüchtet sich auch der fiktive Sebastian von Eschburg während seiner Internatszeit in die Bücher, liest die Dionysos-Dithyramben von Friedrich Nietzsche („glatt liegt Seele und Meer“ ) und die Gedichte von Dylan Thomas („auf Strömen windabgeworfenen Lichts“).

In seinen ersten Internatsferien wird der junge Sebastian Zeuge des Selbstmordes seines Vaters. Ein Trauma. Auch Ferdinand von Schirachs Vater Robert, Sohn des SS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach, wird nur 42 Jahre. Über die Todesursache ist nichts bekannt. Ferdinand ist 16, als sein Vater stirbt.

In einem Interview mit der ZEIT beschreibt Schirach seine Kindheit so:

Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, der aus den fünfziger Jahren stammte, es gab zu viel Personal, keiner war richtig für uns Kinder zuständig. Später war ich auf einem Internat, dort war es ähnlich. Es war immer da, ein Grundgefühl der Distanziertheit und Leere.

In „TABU“ liest sich das so:

Kinder waren in Sebastians Familie noch nie der Mittelpunkt gewesen. Man brachte ihnen bei, wie man das Besteck beim Essen hält, wie ein Handkuss gegeben wird und dass ein Kind möglichst wenig reden sollte. Aber die meiste Zeit kümmerte man sich nicht um sie.

Sebastians Mutter interessiert sich mehr für ihre Pferde als für ihren Sohn. Das Motiv der gefühlskalten, selbstsüchtigen Mutter taucht in „TABU“ bereits zum wiederholten Mal auf.

Im Vorgänger, der Erzählung „Thorbergs Weihnachten“, bringt Carl von Thorberg – sozusagen ein fiktiver Cousin Sebastian von Eschburgs – seine Mutter an Heiligabend mit der Fleischgabel um. Auch er hatte sich in die Kunst geflüchtet, war aber schon früh am demütigenden Desinteresse seiner dominanten Mutter verzweifelt und zog sich in die bürgerliche Existenz eines Versicherungsmathematikers zurück, bevor ihn die Vergangenheit einholte.

Sebastian von Eschburg, der Held aus „TABU“, wird Fotograf. Ein berühmter Künstler, der seine Traumata und Visionen in seinen Bildern und Installationen verarbeitet.

Ferdinand von Schirach hatte sich in Berlin bereits eine bürgerliche Existenz als Rechtsanwalt aufgebaut, bevor er mit dem Schreiben begann. Er konnte nachts nicht schlafen. Deshalb begann er zu schreiben. Und wurde berühmt.

Es wird gerne kolportiert, dass es sich bei seinen ersten beiden Erzählbänden, den Bestsellern „Verbrechen“ und „Schuld“, um reale Fälle aus seiner Kanzlei handelt. Das ist natürlich Unsinn. Auch Schirach unterliegt der Schweigepflicht eines Anwaltes und wäre sofort seine Zulassung los, wenn sich seine Geschichten aus seinen realen Fällen herleiten ließe. Aber seine Leser möchten das glauben. Und der Autor lässt sie auch ein wenig in dem Glauben.

Am Ende des neuen Romans „TABU“ findet sich folgender „Hinweis“:

Die Ereignisse in diesem Buch beruhen auf wahren Begebenheiten.
„Wirklich?“ fragte Biegler.

Konrad Biegler ist der Rechtsanwalt in „TABU“, ein knorriger, knarziger Typ, der das Zeug zum Serienhelden hat. Wer die Verfilmung von „Schirachs Verbrechen“ im ZDF gesehen hat, erkennt in Konrad Biegler unschwer den von Josef Bierblichler verkörperten Anwalt Walter Leonhardt aus der ZDF-Serie.

Aber auch Biegler ist frei erfunden. Insofern schließt „TABU“ mit einem Paradoxon nach dem Prinzip: „Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner.“

Wahrheit und Wirklichkeit sind die Lieblingsthemen Schirachs. Auch deshalb beginnt „TABU“ wie ein Essay:

An einem hellen Frühlingstag des Jahres 1838 wurde in Paris auf dem Boulevard du Temple eine neue Wirklichkeit erschaffen. Sie veränderte das Sehen, das Wissen und die Erinnerung des Menschen. Und schließlich veränderte sie die Wahrheit.

Er beschreibt die ersten beiden Menschen auf einem Foto, einer Daguerreotypie: einen Schuhputzer, der einem Passanten die Schuhe putzt.

Was ist wirklich und was ist wahr? Was ist wirklich wahr?

Diese Fragen beschäftigen nicht nur den Künstler Sebastian von Eschburg, sondern sehr bald auch den Juristen Konrad Biegler, denn der Starfotograf ist angeklagt, eine junge Frau entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Ein Indizienprozess, bei dem es noch nicht mal eine Leiche gibt. Dafür einen ominösen Anruf, blutige Kleider, harte Pornos, und allerlei Besteck, das auf ein Verbrechen hinweist. Biegler soll Eschburg verteidgen.

Zu allem Übel hat der vernehmende Beamte dem mutmaßlichen Mörder Folter angedroht, um ihm das Versteck des Opfers zu entlocken. Dieses Ereignis beruht in der Tat auf einer wahren Begebenheit. Der Fall des Kindesentführers und Mörders Markus Gäffgen beschäftigte vor einigen Jahren auch deshalb die Öffentlichkeit, weil ihm in der Vernehmung Folter angedroht wurde, um das Versteck des Opfers preis zu geben. Der Kriminalkommissar, der die Vernehmung leitete, wurde von seinem Polizeipräsidenten gedeckt. Beide wurden später dafür angeklagt und verurteilt. In Schirachs „TABU“ schaut die Staatsanwältin weg.

Spätestens an dieser Stelle verzettelt sich der Autor, denn aus einer Geschichte werden jetzt drei:

Die Geschichte von Sebastian von Eschburg mit ihren autobiografischen Parallelen zum Autor hätte ein großartiger Entwicklungsroman werden können.

Die Geschichte des Anwaltes Konrad Biegler hätte der Beginn einer ganzen Roman-Serie werden können.

Und die Geschichte von der sogenannten „Rettungsfolter“ wäre besser das Thema eines Essays geworden.

Die Verknüpfung dieser drei Stränge zu einer Handlung misslingt Ferdinand von Schirach. Der Roman wird zum Fragment. Künstlich statt künstlerisch.

Die Literaturkritik reagiert gespalten auf „TABU“.

Der SPIEGEL schreibt wohlwollend über das Buch, aber dort arbeiten quasi Schirachs Kollegen. (Der Autor veröffentlicht regelmäßig Essays im SPIEGEL.) Die Springer-Presse schont ihn ebenfalls. WELT und BILD loben „Tabu“.

In den tonangebenden Feuilletons aber überwiegen die Verrisse.

„Thesengebäude mit blutleeren Figuren“ (Süddeutsche Zeitung)

„Literarisch noch reichlich Luft nach oben“ (F.A.Z.)

„Ferdinand von Schirach kann nicht schreiben“ (Die Zeit)

Schirach behauptet, das mache ihm nichts aus, ihm seien nur die Leser wichtig. Es bestehen berechtigte Zweifel, dass er die Wahrheit sagt.

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„TABU“ verkauft sich gut – dafür sorgen allein schon der reißerische Titel und die Titelbild-Assoziation (Inzest?). Hinzu kommen die Bekanntheit Schirachs und die gespannte Erwartungshaltung seiner Fans.

Als Schriftsteller kann ihn dieses Ergebnis nicht zufrieden stellen.

Ferdinand von Schirach geht es wie jedem Künstler darum, sein Leiden an der Welt und an sich selbst auszudrücken. Ein moderner Heinrich von Kleist. Ein Romantiker … der sich nicht traut.

„Ich kenne Kleists Gefühl“, sagte Schirach in seiner Rede, nachdem ihm der Kleist-Preis verliehen worden war, „es steht in jedem seiner Briefe. Es ist ein alles umfassendes Gefühl der Fremdheit. Obwohl er unglaublich viele Menschen kannte, obwohl er Kleist hieß, war er einsam.“

Besucht man die Internetseite von Ferdinand von Schirach, findet sich dort im Impressum folgender Satz:

Bitte haben Sie Nachsicht, dass Ferdinand von Schirach keine Autogramme gibt, keine Bücher signiert, keine Fotos verschickt, keine zugesandten Manuskripte liest, keine Vorworte schreibt, keine Empfehlungen ausspricht, keine Auskünfte zu seinem Privatleben gibt, keine Verabredungen trifft, keine Einladungen oder Geschenke annimmt, keine Werbeverträge abschließt und keinen Vereinen, Clubs, Parteien oder anderen Organisationen beitritt.

Natürlich hat der Autor das Recht in Ruhe gelassen zu werden. Aber die Art, wie er das – in der dritten Person – formuliert, spricht Bände. Nach der höflichen Ouvertüre (der Mann hat schließlich Benimm) folgt ein Stakkato, das eigentlich nur eines ausdrückt: „Bleibt mir vom Leibe!“

In Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ ruft der Harfner:

Ich sehe nichts vor mir, nichts hinter mir als eine unendliche Nacht, in der ich mich in der schrecklichsten Einsamkeit befinde; kein Gefühl bleibt mir als das Gefühl meiner Schuld (…) Nichts ist mir grausamer als Freundschaft und Liebe.

Gelingt es Ferdinand von Schirach, vielleicht schon in seinem nächsten Roman, statt eines Spiegelbildes, also dem „Moi“, sich selbst zu beschreiben, also das „Je“, würde er wahrhaftig ein Tabu brechen: sein eigenes.


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