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Das Buch des Jahres: Florian Illies’ „1913“.

| Reinhard Stiehl

Die Redewendung „Künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“ geht auf einen Vers des schottischen Dichters Thomas Campbell (1777–1844) zurück: „Coming events cast their shadows before“. In diesem Schatten des künftigen Ereignisses spielt „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“. Das Buch von Florian Illies ist das literarische Ereignis des Jahres 2012.

Die Idee ist originell, um nicht zu sagen genial: 2012 ein Buch über das Jahr 1913 zu veröffentlichen, bevor sich 2014 das Weltkriegsjahr 1914 zum hundertsten Mal jährt. Geschichte aus der Vorvergangenheit sozusagen.

1913 ist ein faszinierendes Jahr und wenn der Vergleich nicht hinken würde wie ein Kriegsversehrter, könnte man sagen, 1913 ist wie das großartige Album vor dem großen Album. Es ist wie „Pet Sounds“ vor „Sergeant Pepper“ … wenn 1913 nicht das Jahr vor dem Jahr gewesen wäre, das die Welt aus den Angeln hob.

Florian Illies - 1913

Ist es mit dem Wissen von heute überhaupt möglich, einen Blick auf dieses Jahr zu werfen, ohne überall nur die Vorahnung zu sehen, wo in Wirklichkeit weitgehende Ahnungslosigkeit herrschte? Entsteht Geschichtsträchtigkeit nicht immer erst im Nachhinein? Geheimnissen wir nicht Vorzeichen in die Historie hinein, die in der damaligen Gegenwärtigkeit gar nicht zu erkennen waren?

Florian Illies gelingt der Spagat zwischen dem Rückblick aus heutiger Sicht und einer Art „Echtzeit“ im Jahr 1913. Er beschreibt den „Vorabend“ des I. Weltkriegs. (Die Nummerierung erfolgte ja erst mit dem II. Weltkrieg, wohl in der fälschlichen Annahme, weitere würden noch folgen.) „Am Vorabend des Weltkriegs“ wäre vielleicht sogar der zutreffendere Untertitel gewesen, denn der Sommer 1913 war durchaus kein Jahrhundertsommer, wenn man von der übermäßigen Anzahl an Regentagen einmal absieht. Zudem gibt Illies jedem Monat des Jahres 1913, unabhängig von der Jahreszeit, etwa gleich viel Raum. Warum also „Der Sommer des Jahrhunderts“, bleibt das Geheimnis des Autors, denn auch als Metapher funktioniert dieser Untertitel nicht wirklich.

Aber in der Tat tut sich 1913 einiges in Kunst und Kultur, Psychologie und Politik. Die „Promis“ heißen Sigmund Freund und C.G. Jung, Stalin und Lenin, Rainer Maria Rilke und Thomas Mann, Ernst Ludwig Kirchner und Egon Schiele, um nur einige wenige aus dem umfangreichen Personal dieser Zeit zu nennen. Nicht zu vergessen, die männermordenden Femmes Fatales: von Alma Mahler über Else Lasker-Schüler bis zu Lou Andreas-Salomé. „Wer mit wem“ ist eine der zentralen Fragen, die der Autor von „1913“ ausführlich beantworten wird. („Wer mit wem nicht“ übrigens auch.)

November
Adolf Loos sagt , dass Ornament ein Verbrechen sei, und baut Häuser und Schneidersalons voll Klarheit. Alles ist aus zwischen Else Lasker-Schüler und Dr. Gottfried Benn – sie ist verzweifelt, woraufhin ihr Dr. Alfred Döblin, der gerade Ludwig Kirchner Modell sitzt, Morphium spritzt. Prousts „Eine Liebe von Swann“, der erste Band von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, erscheint, den Rilke sofort liest. Kafka geht ins Kino und weint. Prada eröffnet in Mailand seine erste Boutique. Ernst Jünger, 18 Jahre alt, packt seine Sachen und geht zur Fremdenlegion nach Afrika. Das Wetter in Deutschland ist ungemütlich, aber Bertolt Brecht findet: Schnupfen kann jeder haben.

Vieles spitzt sich zu in diesem Jahr 1913 – wohlgemerkt aus heutiger Sicht. Die Kunst, die Florian Illies fast perfekt beherrscht, besteht nun darin, die Vielzahl individueller Vorkommnisse zu einem Reigen großer Ereignisse zu verknüpfen; Verbindungen herzustellen, wo vielleicht keine waren, aber hätten sein können. So wie die mögliche Begegnung des pockennarbigen Josef Stalin mit dem Möchtegernmaler Adolf Hitler in Wien, wo beide zur gleichen Zeit gerne im selben Park spazieren gingen und sich hätten begegnen können, ja eigentlich müssen. Bei Illies ziehen sie den Hut, grüßen einander und gehen ihrer Wege.

Daneben gibt es aber auch viele tatsächlich stattgefundene Treffen und manchmal hat man den Eindruck, man ist mitten in Woody Allens’ „Midnight in Paris“, wo sich im Haus von Getrude Stein regelmäßig die gesamte Avantgarde der 20er Jahre einfindet, die sich zwischen den Weltkriegen I. und II. rund um den Montmatre tummelt.

 

In Illies’ „1913“ gibt es zwar nicht den Dreh-, Angel- und Treffpunkt, aber auf der Achse Berlin – Wien – Paris spielt zumindest die künstlerische und kulturelle „Musik“ dieser Zeit (mit Abstechern nach Prag, München und London oder schlicht „aufs Land“ und „an die See“). Apropos Musik! Auch die ist reichlich vertreten. Arnold Schönberg bekommt für seine neue Zwölfton-Musik beim Konzert in Wien eine Watschen vom Walzerkomponisten Oscar Strauss. Athur Schnitzler, ebenfalls zugegen, notiert in sein Tagebuch: „Rauferei allerorten“.

Überhaupt ist 1913 alles neu und vor allem modern. „Die Moderne“ könnte man (mit einem heutigen Begriff) wohl das Unwort des Jahres 1913 nennen. Alles löst sich auf. Alles ist in Bewegung, aber diese Bewegung hat kein Ziel. Außer vielleicht den Vatermord. Und das nicht nur bei dem unglücklich verliebten Franz Kafka.

Mit einem atemberaubenden Tempo erzeugt Illies in 1913 einen Zeitgeist, den es so nicht gegeben hat (nicht gegeben haben kann), der sein Buch aber so spannend macht, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann.

„Alle rennen als liefe ihnen die Zeit davon.“

Kirchner, Berliner StraßenszeneErnst Ludwig Kirchner, Berliner Straßenszene 1913

Illies schreibt in der Gegenwartsform und versetzt den Leser damit ins Hier und Jetzt des Jahres 1913. Zugegeben, je mehr man über den ein oder anderen Protagonisten weiß, desto eher wird er bei Illies zum Klischee. So gesehen kann der Autor keinem vollends gerecht werden und es deshalb auch niemandem recht machen. Das ist die – unvermeidliche – Schwäche des Buches.

Aber die zügige Szenenfolge, die rasanten Ortswechsel, die schnellen Schnitte und vor allem der mitreißende Erzählstil wiegen diese – vermeintliche – Schwäche mehr als auf. Und welcher noch so belesene Bildungsbürger hat schon einen vollständigen Überblick darüber, was am Vorabend des I. Weltkriegs fast gleichzeitig geschah? In „1913“ gibt es überall und immer wieder Entdeckungen zu machen, die es zu vertiefen lohnt. Vielleicht nimmt man Thomas Manns’ „Tod in Venedig“ jetzt wieder zur Hand oder sieht sich die aktuelle Expressionisten-Ausstellung im Folkwang-Museum mit anderen Augen an.

Oder man recherchiert, was 1960, 1988 oder im Jahr 2000 los war – in dem Jahr vor dem Jahr, das in die Geschichte einging. Als künftige Ereignisse ihre Schatten voraus warfen.


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